Ich habe in meiner Ausbildung zur Therapiestein-Beraterin ein Kapitel gelernt, das mich bis heute nicht loslässt.
Es hieß „Künstliche Eigenschaftsveränderungen". Und je länger ich es studiert habe, desto klarer wurde mir: Das, was im Edelsteinhandel als Standard gilt, würde die meisten Käufer ziemlich überraschen.
Nicht weil es grundsätzlich falsch ist. Sondern weil kaum jemand darüber spricht.
Das ändere ich jetzt.
WAS BEDEUTET „GESCHÖNTER STEIN" EIGENTLICH?
Die Industrie unterscheidet zwischen natürlichen Steinen und Steinen, bei denen künstliche Eigenschaftsveränderungen vorgenommen wurden. Das klingt neutral – ist es aber nur bedingt.
Es gibt vier Hauptmethoden, mit denen Steine im Handel verändert werden:
Färben. Ölen, Wachsen oder Kunstharz. Bestrahlen. Erhitzen.
Jede dieser Methoden hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Verbreitung und ihre eigenen Erkennungsmerkmale. Und jede betrifft Steine, die du vielleicht gerade zuhause hast.
METHODE 1: FÄRBEN
Färben ist die häufigste und bekannteste Methode. Es gibt sie in verschiedenen Varianten – von oberflächlich bis tief.
Oberflächliches Färben geschieht durch gefärbtes Öl oder Wachs, durch lackartige Farbstoffe oder durch Bedampfen mit Metallen. Das sitzt nur an der Oberfläche – und geht entsprechend auch wieder ab.
Tiefenfärbung geht weiter: Gefärbtes Öl oder Wachs oder Kunststoff wird in den Stein eingekocht oder eingebrannt. Bei porösen Steinen wird sogar dehydrierte Zuckerlösung verwendet, die dann tief in die Struktur eindringt und karamelisiert.
Betroffen sind unter anderem: Achat, Aquamarin, Jade, Karneol, Lapislazuli, Malachit, Onyx, Opal, Rubin, Saphir, Smaragd und Türkis.
Das ist keine kurze Liste. Das ist ein Großteil der beliebtesten Edelsteine im Handel.
Ein konkretes Beispiel das ich immer wieder erlebe: Karneol. Sein charakteristisches Orange bis Rot kommt in der Natur vor – aber nicht immer so satt und gleichmäßig wie im Handel. Grauer Achat wird gefärbt und als Karneol verkauft. Beim echten Karneol sieht man im Gegenlicht oft eine wolkige, ungleichmäßige Farbverteilung. Beim gefärbten Achat ist sie zu perfekt.
Dasselbe gilt für schwarzen Onyx – der kommt in der Natur als tiefschwarzer Stein vor, aber ein Großteil des im Handel erhältlichen schwarzen Onyxes ist grauer Achat, der schwarz gefärbt wurde.
Wie erkenne ich es?
Schau mit der Lupe: Farbrückstände in Rissen und Vertiefungen sind ein deutlicher Hinweis auf Oberflächenfärbung. Beim Acetontest – Wattestäbchen in Aceton tauchen und über die Steinoberfläche reiben – löst sich Farbstoff. Oder einfacher: ein feuchtes weißes Tuch über den Stein reiben. Wenn Farbe abgeht, ist er oberflächlich gefärbt.
Wichtig zu wissen: Gefärbte Steine müssen gesetzlich als „gefärbt" oder „behandelt" deklariert werden. Ob das im Handel immer passiert, ist eine andere Frage.
METHODE 2: ÖLEN, WACHSEN ODER KUNSTHARZ
Diese Methode klingt harmloser – ist aber weit verbreitet und nicht immer deklarationspflichtig.
Ölen und Wachsen dient dazu, die Eigenfarbe des Steins zu intensivieren, Risse zu verbergen, die Transparenz zu erhöhen und den Oberflächenglanz zu verbessern. Das ist handwerklich betrachtet nicht viel anders als das Einölen von Holz – aber beim Edelsteinhandel erwartet man Transparenz darüber.
Häufig imprägniert werden: Aquamarin, Azurit, Jade, Lapislazuli, Malachit, Rubin, Saphir, Smaragd und Türkis.
Kunstharz geht einen Schritt weiter: Es füllt Risse und Hohlräume und verändert dabei Transparenz und Haltbarkeit des Steins grundlegend. Anders als beim Ölen muss die Behandlung mit Kunstharz deklariert werden.
Wie erkenne ich es?
Der „Heiße Nadel"-Test: Eine heiße Nadel an eine unauffällige Stelle des Steins halten. Öl verdampft. Wachs schmilzt und erstarrt anschließend zu einer ebenen Fläche. Kunstharz schmilzt oder zersetzt sich und hinterlässt ein Brennloch oder eine Schmelzkante. Das ist natürlich ein destruktiver Test – den macht man nicht beim Kauf, sondern wenn man bereits Zweifel hat
METHODE 3: BESTRAHLEN
Das ist die Methode, über die am wenigsten gesprochen wird – obwohl sie bei teuren Edelsteinen verbreitet ist.
Durch Bestrahlung (meist mit Elektronen, Gamma- oder Röntgenstrahlen) werden Farben erzeugt oder vertieft, die so in der Natur nicht oder nur selten vorkommen. Bergkristall wird zu Rauchquarz. Farbloser Topas wird blau oder braun. Blasser Kunzit wird grün.
Besonders bekannt ist das bei Beryll (intensiv gelb, orange, tiefblau), Diamant (gelb, grün, braun, schwarz), Fluorit (blau, grün), Saphir (intensiv gelb, grün) und Turmalin (rot, gelbbraun, grün).
Bestrahlte Steine müssen ausnahmslos als „bestrahlt" oder „behandelt" deklariert werden.
Wie erkenne ich es?
Tempern: Künstlich bestrahlter Rauchquarz verliert bei Temperaturen unter 200°C seine Farbe. Natürlicher Rauchquarz behält sie bis ca. 180°C. Das ist ein Test für den Fachmann, kein Alltagstest. Für den normalen Käufer gilt: Wer einen ungewöhnlich intensiv gefärbten Stein zu einem überraschend günstigen Preis kauft, sollte nachfragen.
METHODE 4: ERHITZEN
Erhitzen oder Brennen ist eine der ältesten Methoden der Steinbehandlung. Sie verändert die Farbe dauerhaft durch chemische Prozesse im Kristallgitter.
Das bekannteste Beispiel: Citrin. Echter Citrin in seiner natürlichen, intensiv gelben bis orangefarbenen Form ist selten. Der Großteil des im Handel angebotenen Citrins ist gebrannter Amethyst oder Rauchquarz. Durch Erhitzen auf bestimmte Temperaturen ändert Amethyst seine Farbe von Violett zu Gelb oder Orange.
Das ist kein Betrug im rechtlichen Sinne, wenn es deklariert ist. Aber „Citrin" und „gebrannter Amethyst" sind mineralogisch und energetisch unterschiedliche Dinge.
Weitere Beispiele: Blaue Zirkone entstehen durch Erhitzen von braunen Zirkonen. Rubine werden erhitzt um ihre Farbe zu verbessern und Einschlüsse zu reduzieren. Aquamarine werden erhitzt um grüne Töne zu entfernen und das typische Blau zu intensivieren.
Wie erkenne ich es?
Das ist für den Laien kaum möglich. Der Fachmann nutzt die Lupe um in seltenen Fällen Trübungen oder gezackte Risschen zu erkennen. Für fortgeschrittene Analysen braucht es Thermolumineszenzanalyse – das ist Labortechnik.
WAS DAS FÜR DICH BEDEUTET
All das klingt zunächst beunruhigend. Aber ich möchte keine Panik verbreiten – sondern Orientierung geben.
Nicht jede Behandlung macht einen Stein wertlos. Ölen und Wachsen ist bei manchen Steinen seit Jahrhunderten üblich. Ein stabilisierter Türkis ist immer noch Türkis. Ein gebrannter Amethyst ist immer noch Amethyst.
Das Problem entsteht, wenn:
— ein Stein als etwas verkauft wird, was er nicht ist (gefärbter Magnesit als Türkis)
— Behandlungen verschwiegen werden, obwohl sie deklarationspflichtig sind
— der Käufer glaubt, er arbeitet mit einem bestimmten Stein und seiner spezifischen Energie – obwohl er etwas völlig anderes in der Hand hält
Für die Steinheilkunde ist das kein akademisches Problem. Es ist eine Frage der Grundlage: Mit welchem Stein arbeite ich wirklich?
WARUM ICH DAS WEISS – UND WAS ICH DARAUS MACHE
Diese Informationen stammen aus meiner Ausbildung zur Therapiestein-Beraterin an der Akademie Lapis Vitalis – gegründet von der Marco Schreier Mineralienhandlung GmbH in Ludwigsburg, ausgebildet unter anderem von Klaus Hüser und Michael Gienger.
Genau deshalb beziehe ich meine Steine für die Raumhüter von Marco Schreier. Nicht weil es günstiger wäre – das ist es nicht. Sondern weil ich dort weiß, was ich bekomme. Weil Transparenz dort kein Marketingversprechen ist, sondern Grundlage des Geschäfts.
Wenn in einem meiner Raumhüter Sodalith hängt, ist es Sodalith. Wenn Lapislazuli draufsteht, ist es Lapislazuli. Wenn Bernstein draufsteht, ist es fossiles Baumharz – und kein Kunstharz.
Das klingt selbstverständlich. Im Edelsteinmarkt ist es das leider nicht.
In Teil 2 schaue ich mir an, was hinter Begriffen wie „rekonstruiert", „synthetisch" oder „Dublett" steckt – und wie du dich beim Kauf wirklich schützen kannst.
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